Grusswort des Botschafters

Liebe Leserinnen und Leser der Schweizer Revue

Noch vor kurzem hielt ich eine Ausgabe der «Schweizer Revue» in Yangon (Myanmar) in der Hand – heute schreibe ich Ihnen aus Berlin. Nachdem meine Vorgängerin Christine Schraner Burgener zur UNO-Sondergesandten für Myanmar ernannt worden war, erfolgte der Umzug von Asien nach Europa sprichwörtlich im fliegenden Wechsel, und ich startete in Berlin mit «fliegenden Fahnen». Doch inzwischen haben sich meine Ehefrau Colette und ich recht gut in unserer neuen Umgebung eingelebt. Nach verschiedenen weit entfernten Posten wie Kinshasa, Buenos Aires, New York und Yangon geniessen wir es, in Europa näher bei der Familie zu sein.

Mein Ziel während der kommenden Jahre ist es, die Präsenz der Schweiz in Deutschland weiter zu stärken und unsere Beziehungen mit unserem mit Abstand wichtigsten Partnerland zu vertiefen und zu verbreitern. Die Schweiz geniesst in Deutschland einen guten Ruf, und ich sehe als meine Aufgabe, alles daran zu setzen, dass es so bleibt. Ich kann dabei glücklicherweise auf ein sehr gut aufgestelltes Botschaftsteam sowie auf ausgezeichnete und motivierte General- und Honorarkonsuln in ganz Deutschland zählen. Unter dem Motto «Die Schweiz: Traditionell innovativ» will ich unser Land als modernes Gemeinwesen präsentieren, das in seinen Traditionen wie direkte Demokratie und Föderalismus verwurzelt bleibt, aber gleichzeitig stets offen für Neues war und ist. Innovation setzt Investition in Bildung und Forschung voraus. Unser duales Bildungssystem, welches sowohl gut ausgebildete Fachkräfte als auch Spitzenleistungen in der Technologie hervorbringt, bildet einen Schlüssel für unseren Erfolg. Tragen wir Sorge dazu!

Offen für Neues zu sein, heisst auch offen zu sein für Europa und die Welt. Unsere Volkswirtschaft ist eine der international am meisten vernetzten. Wir verdanken unseren Wohlstand wesentlich dem Aussenhandel, mit dem wir fast jeden zweiten Franken unseres Volkseinkommens erwirtschaften. Deutschland und Europa bleiben unsere wichtig- sten Partner. Wir haben daher ein grosses Eigeninteresse an geordneten, berechenbaren und zukunftsgerichteten Beziehungen mit der EU. Die Diskussion um das institutionelle Rahmenabkommen, welches der Bundesrat am 7. Dezember vorgestellt hat, wird zeigen, ob wir bereit sind, über dieses breite Beziehungsnetz mit der EU ein übergrei

fendes Dach zu spannen. Ich wünsche mir daher für dieses Jahr eine aktive Debatte, welche sachlich bleibt und das übergeordnete Ganze im Blick behält.

2019 wird uns auch innenpolitisch viel Neues bringen: Wir haben eine neue Zusammensetzung des Bundesrates und im Oktober finden die Gesamterneuerungswahlen des Parlaments statt. Ich ermuntere Sie alle, aktiv am politischen Geschehen der Schweiz teilzunehmen, denn unsere direkte Demokratie lebt wesentlich vom Interesse und der Beteiligung ihrer Bürgerinnen und Bürger. Engagieren wir uns also als Genossenschafter für unsere Eidgenossenschaft!

Zum Schluss erlaube ich mir, Ihnen einen Neujahrsvorsatz mitzugeben, den ich aus Myanmar mitgenommen habe: Schenken Sie jeden Tag irgendeiner Person eine Sekunde ein Lächeln! Das kostet Sie nichts, aber Sie spenden jemandem einen kurzen, aber wichtigen freudigen Lichtblick. Bei acht Millarden Menschen ergäbe das zeitlich aneinandergereiht ein Lächeln bis ins Jahr 2310.. Wären das nicht schöne Aussichten?

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Frohsinn und hoffe, dass Sie gut ins 2019 hinübergerutscht sind!

Ihr Dr. Paul R. Seger

Schweizerischer Botschafter

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