Grosse ASO-Tagung in Berlin

Während am Auffahrtwochenende in Berlin der Evangelische Kirchentag mit über 100.000 Besuchern das Reformationsjubiläum feierte, trafen sich auch die Delegierten der Schweizer Vereine zum Jahreskongress der Auslandschweizer-Organisation (ASO) Deutschland in der Hauptstadt. Zwar wurde anlässlich der Tagung der Dachorganisation der Schweizer Vereine über Mitgliederverlust und Überalterung geklagt, doch die acht neu gewählten Mitglieder des Auslandschweizerrates (ASR) versprechen, frischen Wind in das 140-köpfige Gremium zu bringen, das die Interessen der mobilen Schweizer in der Heimat vertritt.

Die neue Crew aus Deutschland (v.Li.): Kerstin Kunath, Max Hausammann (Vizepräsident), Tim Guldimann, Elisabeth Michel, Annemarie Tromp (Präsidentin), Matthias von Ah (stellvertretender ASR), Lukas Bucheli (Vizepräsident), Reinhard Süess und Lisa Faller

Die neue Crew aus Deutschland (v.Li.): Kerstin Kunath, Max Hausammann (Vizepräsident), Tim Guldimann, Elisabeth Michel, Annemarie Tromp (Präsidentin), Matthias von Ah (stellvertretender ASR), Lukas Bucheli (Vizepräsident), Reinhard Süess und Lisa Faller

Es ging auch ohne weissen Rauch. Nach dem Konklave der stimmberechtigten Teilnehmer und der Kandidierenden stand eine verjüngte Crew fest: Die neue Präsidentin der ASO Deutschland ist die 35-jährige Annemarie Tromp aus Hamburg. Als Vize-Präsidenten fungieren neu Lukas Bucheli (35, Wiesbaden) und Max Hausammann (49, Aachen). Die Delegation wird ergänzt durch Lisa Faller (24, Frankfurt am Main), Tim Guldimann (66, Berlin), Kerstin Kunath (51, Wilthen), Elisabeth Michel (69, Osnabrück) und Reinhard Süess (63, Kassel).

                       Elisabeth Michel

Nachdem Elisabeth Michel zwanzig Jahre den Vorsitz der ASO Deutschland innehatte, wollte sie ihr Amt in jüngere Hände übergeben. Sie wird aber weiterhin im Präsidium des internationalen Auslandschweizerrates mitwirken. Themen wie bezahlbare Bankkonten und die freiwillige AHV für die mobile Schweiz brennen ihr noch immer unter den Nägeln. (s. Rückblick)

Matthias Zimmermann 

Matthias Zimmermann begrüsst die Gäste

Der diesjährige Gastgeber der Konferenz war der Schweizer Verein Berlin. Dessen Präsident, Matthias Zimmermann, konnte zusammen mit dem Berliner Alphornorchester gut 150 Gäste im Hotel Möwenpick begrüssen. Vertreter von 24 Vereinen waren angereist. In Deutschland sind knapp 3200 Mitglieder in vierzig Schweizer Vereinen organisiert. Die Mitglieder sind mehrheitlich ältere Semester.

Ypsa

Michael Michael Valente aus Kanada und Daniel Bijsterbosch, Leiter des Jugenddienstes der ASO

Doch auch die Jugend war in Berlin präsent. Eine Gruppe von dreizehn jungen Schweizern war auf der Tagung vertreten. Allesamt Mitglieder des 2015 gegründeten YPSA, dem Youth Parliament Swiss Abroad. Diese Gruppierung will Jugendliche auf der ganzen Welt vernetzen und hält drei Sitze im ASR inne. Aus Kanada war Michael Valente vom YPSA-Comitee angereist. Er berichtete stolz: „Wir haben Mitglieder auf allen Kontinenten der Welt. Unsere Vorstandssitzungen finden immer an einem Sonntag abend um 20 Uhr via Skype statt.“ Mittlerweile hat das Auslandschweizer Jugendparlament schon über 660 Mitglieder. Man tauscht sich via Facebook aus. Eine eigene Webseite befindet sich im Aufbau. ---Siehe:  http://aso.ch/de/politik/jugendparlament

Auf dem Podium: Matthias Oesch (Prof. f. öffentliches Recht), Laura Zimmermann (Operation Libero), Nationalrat Claudio Zanetti (SVP), Moderatur Helmut Uwer, Nationalrat Tim Guldimann (SP) und Rudolf Wyder (Schweizerische Gesellschaft f. Aussenpolitik)

Über die Folgen der Initiative gegen Masseneinwanderung der Schweizerischen Volkspartei (SVP), die 2014 vom Schweizer Stimmvolk gutgeheissen wurde, debattierte man sehr lebhaft in einer Podiumsdikussion. Für Schweizer in Deutschland ist die Personenfreizügigkeit von erheblicher Bedeutung, denn laut Nationalrat Tim Guldimann (SP) wird die EU auch mit einschränkenden Massnahmen reagieren. Er verlangte einen neuen Volksentscheid. Er lieferte sich mit Nationalrat Claudio Zanetti (SVP) einen hitzigen verbalen Schlagabtausch. Mit Laura Zimmermann von der „Operation Libero“ meldete sich eine prägnante junge Stimme zu Wort: „Für die junge Generation ist die Personenfreizügigkeit eine unglaubliche Errungenschaft. Sie gibt uns die Freiheit, dort zu leben und arbeiten, wo ich will. Wer sie abschaffen will, will Freiheiten abschaffen.“

Gysin

Der Präsident der ASO in Bern Remo Gysin

Die Repräsentativität des Auslandschweizerrates müsse verbessert werden, sagte Remo Gysin. Deshalb setzt sich der Präsident der ASO in Bern für ein neues Wahlverfahren für den Auslandschweizerrat ein. Bislang wurden in Deutschland die Räte von den ASO-Vereinen gewählt. Da aber in Deutschland nur etwa vier Prozent der Schweizer Mitglied in einem Verein sind, werde in der Schweiz an der Repräsentativität der Wahl gezweifelt. Ein anderes Wahlverfahren sei unumgänglich. In Mexiko und Australien werden die Delegierten bereits per e-voting bestimmt. Ganz anders ist die Position von Matthias Zimmermann. Da die ASO eine Stiftung sei und der Stiftungzweck nicht nachträglich verändert werden könne, müsse man in Ländern mit gut funktionierenden Dachorganisationen das bisherige Wahlverfahren beibehalten.

Amden

Männerchor Amden

Der gastgebende Verein hatte ein sehr attraktives kulturelles Beiprogramm auf die Beine gestellt. Eine abendlichen Spreefahrt zeigte den Gästen, wie fröhlich und entspannt Berlin sein kann. In den Strandbars und auf den Uferwiesen liessen es sich an diesem herrlichen Sommerabend zahllose Menschen gut gehen. Der Männerchor aus Amden (SG) überraschte am Abschlussabend mit schwungvollen und witzigen Liedern wie dem „Wellness Tango“ und dem „Facebook-Schwarm“, beides Kompositionen der Berlin-Schweizers David Lang. Lang selbst präsentierte zudem eine Auswahl seiner Chansons. Und last but not least konnte zu den beschwingten Melodien des beliebten Schweizer Tenors und Wahlberliners Michael Hasenfratz das Tanzbein geschwungen werden.                                                                                                   Monika Uwer-Zürcher

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