150 Jahre diplomatische Vertretung in Berlin

1997: Der Spreebogen während des Baus des neuen Regierungsviertels und des Bahntunnels zum Lehrter Bahnhof. In der linken Bildhälfte ist das Gebäude der Botschaft zu sehen. (Bild: EDA)

Vor 150 Jahren entstand die erste Vertretung der Schweizerischen Eidgenossenschaft in Berlin. Der Bundesrat entschied am 17. April 1867, eine Vertretung am preussischen Königshof einzurichten. 2017 feiert die Schweizerische Botschaft in Berlin diesen Meilenstein der schweizerisch-deutschen Beziehungen.

Seit 1867 pflegen die Schweiz und Deutschland ununterbrochen diplomatische Beziehungen. Zum Jubiläumsjahr veröffentlicht die schweizerische Botschaft in Deutschland eine Broschüre, die einen Überblick über die bewegte Geschichte der diplomatischen Vertretungen an den verschiedenen Standorten in Deutschland und in Berlin gibt.

Der erste Schweizer Gesandte in Berlin war der Glarner Joachim Heer. Der Bundesrat hatte vorgesehen, dass er sich als Vertreter der Schweiz nicht nur beim preussischen Königshof, sondern auch beim König von Bayern, dem König von Württemberg und dem Grossherzog von Baden akkreditieren solle. Es war die erste Mehrfachakkreditierung der Schweiz überhaupt.

Heer traf am 15. Mai 1867 in Berlin ein und überreichte drei Tage darauf König Wilhelm I. das Beglaubigungsschreiben. Dieser war erfreut, weil er sich schon lange gewünscht hatte, dass die Schweiz endlich Gegenrecht üben würde. Preussen war seit dem Jahre 1805 mit einer offiziellen Gesandtschaft in der Schweiz vertreten, auch wenn die zuständigen preussischen Diplomaten zumeist keinen Wohnsitz in der Schweiz hatten. Die Aussenpolitik wurde damals über Neuenburg abgewickelt, das gleichzeitig Mitglied der Eidgenossenschaft und Besitz des preussischen Königs war.

Für den Kauf der Liegenschaft an der Otto-von Bismarck-Allee im Spreebogen unterzeichnete der Bündner Alfred von Planta, der am 1. Oktober 1919 Gesandter in Berlin geworden war. Die Eidgenossenschaft kaufte das Gebäude am 15. Oktober 1919 vom Industriellen und Kunstsammler Erich Kunheim. Das klassizistische, vom Architekten Friedrich Hitzig entworfene Stadtpalais lag im vornehmen Alsenviertel. Es diente als Residenz des Gesandten und als Kanzlei.

 Am Ende des Zweiten Weltkriegs war das Alsenviertel im Spreebogen praktisch vollständig zerstört, das Gebäude der Schweizer Vertretung aber überstand diese Zeit bemerkenswerterweise nahezu unbeschadet. Die Zerstörung des Alsenviertels war allerdings nicht dem Bombenhagel geschuldet wie man vermuten könnte. Die Pläne Hitlers und seines Architekten Albert Speer sahen den Spreebogen als Standort für die monumentale Ruhmeshalle für die künftige Welthauptstadt Germania vor. Das Vieltel fiel dem Abbruch zum Opfer. Einem Zufall ist es zu verdanken, dass das Schweizer Haus überlebte. Denn das für die Schweizer Vertretung neu erbaute Gebäude südlich des Tiergartens wurde von Bomben getroffen, der geplante Umzug konnte nicht durchgeführt werden. Deshalb hat die Schweizerische Botschaft bis heute ihren Sitz an dieser einzigartigen Lage im Regierungsviertel.

Die Geschichte der Schweizer Vertretung ist aufgrund der turbulenten Geschichte Deutschlands bewegt. Die Gesandtschaft in Berlin bestand bis 1945, nach dem Zweiten Weltkrieg kümmerte sich die Heimschaffungsdelegation um rückkehrwillige Schweizer und die in Berlin ansässigen Landsleute. Diese Funktion wurde insbesondere bis 1949 ausgeführt. Die Delegation bestand danach weiter, bis sie 1973 offiziell in ein Generalkonsulat umgewandelt wurde.

Die diplomatische Vertretung der BRD wurde 1949 in Bonn eingerichtet und war von 1957-1977 zwischenzeitlich in Köln angesiedelt, danach bis 1999 wieder in Bonn. Die Schweiz errichtete 1973 auch in der DDR eine Botschaft. Seit 1999 ist die Schweizerische Botschaft in Berlin wieder am Spreebogen zu Hause.

Nach dem Krieg stand es in unmittelbarer Nähe zur Mauer und damit als einsamer Monolith im Niemandsland. In dieser Zeit versuchte die Schweiz mehrmals erfolglos, das Gebäude an dem damals unattraktiven Standort zu verkaufen. Erst nach der Wiedervereinigung und dem Entscheid der Bundesregierung, Berlin wieder zur Hauptstadt zu machen, kam wieder Leben in das Umfeld der Botschaft.                                                                BO / Red.

Literatur

Paul Widmer, Die Schweizer Gesandtschaft in Berlin. Geschichte eines schwierigen diplomatischen Postens. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 1997. Minister Paul Widmer war von 1992 bis 1999 Leiter der Aussenstelle der Schweizer Botschaft in Berlin.

Claudia Schwartz, Das Haus im Nachbarland. Verlagshaus Braun, Berlin 2001.

Die Schweizerische Botschaft in Berlin hat eine informative Broschüre unter dem Titel «150 Jahre: Die Schweizerfahne im Herzen Berlins» herausgegeben. Altbotschafter Paul Widmer, der von 1992 bis 1999 bis die Gesandschaft im Spreebogen als Aussenstelle der Botschaft (in Bonn) leitete, erläutert darin die Geschichte der Vertretung in Deutschland. Sie ist online erhältlich unter: https://www.eda.admin.ch/content/dam/countries/countries-content/germany/de/150-Jahre-Schweiz-in-Berlin.pdf

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