ASO-Deutschland: Was mir unter den Nägeln brennt

20 Jahre stand Elisabeth Michel aus Osnabrück der Dachorganisation der Schweizer Vereine vor. Am Himmelfahrtswochenende übergab die 69-jährige Aargauerin anlässlich der Tagung der Auslandschweizer-Organisation (ASO) Deutschland in Berlin ihr Amt in jüngere Hände. In den zwei Jahrzehnten gab es viele Probleme, aber auch Erfolge zu verzeichnen. Elisabeth Michel blickt zurück.

Einer der Höhepunkte als Präsidentin der ASO-Deutschland war die Organisation der Jahreskonferenz 1998 in Osnabrück – genau in dem Jahr, da man in Münster und Osnabrück 350 Jahre Westfälischen Frieden feierte.

Seither hat Osnabrück noch drei Jahreskonferenzen ausgerichtet und zwar gezielt dort, wo es keinen Schweizer Verein gibt: in Rostock (2008) in Naumburg (2013) und in Weimar (2016) – so entdeckten wir den Osten Deutschlands.

1987 nahm ich in Jestetten zum ersten Mal an einer Jahrestagung teil. Wir sassen mit 37 Personenen in einer Gaststätte an einem langen Tisch. Heute ist die Konferenz eine attraktive Veranstaltung, an der über hundert Interessierte teilnehmen. Mit Podiumsdiskussionen, Workshops, informativen Vorträgen kompetenter Menschen und einem kulturellen wie geselligen Begleitprogramm wurde die Tagung immer attraktiver. Das Damenprogramm wurde 2008 abgeschafft. Da zunehmend Frauen die Vereine leiteten, hätte es eh in «Herrenprogramm» umbenannt werden müssen.ä

Ein grosser Erfolg für die ASO war die Einführung des brieflichen Wahl- und Stimmrechts für Auslandschweizer, das am 1. Januar 1992 in Kraft trat. Bis heute haben sich weit über 150.000 Schweizer, die im Ausland leben ins Simmregister eintragen lassen. Leider lässt die Möglichkeit zur elektronischen Stimmabgabe in vielen Kantonen noch auf sich warten.

Schon als ich 1987 mein Amt antrat, war die Überalterung der Vereine und der Rückgang der Mitgliederzahlen ein wichtiges Thema. Nach dem Fall der Mauer gab es Zuwachs aus dem Osten. Die dort lebenden Schweizer bekamen ihre Staatsbürgerschaft zurück, die sie während der DDR-Zeit abgeben oder schlummern lassen mussten. Es entstanden Schweizer Vereine in Dresden und Leipzig. In meiner Amtszeit war ich bei der Gründung etlicher neuer Vereine behilflich, musste aber auch etliche beerdigen. Heute gibt es in Deutschland 40 Vereine mit insgesamt knapp 3200 Mitgliedern. 1987 waren es noch über 3800.

Unserem Protest gegen die Schliessung der Generalkonsulate in Hamburg, Düsseldorf und Dresden entgegnete das Eidgenössische Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) lakonisch, man müsse Kosten sparen. Mittlerweile verfügen wir über sieben Honorarkonsuln, die sich sehr engagieren.

Ab 1989 war ich Mitglied im Auslandschweizer-Rat und 16 Jahre im Vorstand der ASO in Bern. Wir setzten uns für äusserst wichtige Anliegen ein: bezahlbare Bankkonten in der Schweiz und die freiwillige AHV. Seit deren Abschaffung 2001 hat sich die mobile Schweiz entscheidend vergrössert. Heute sammeln junge Menschen ein paar Jahre Berufserfahrung im Ausland und sie merken nach der Rückkehr entsetzt, dass sich die Beitragslücken bei der Altersvorsorge empfindlich bemerkbar machen.

                                Elisabeth Michel für die Schweizer Revue

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